Man könnte es meinen. Kein Tag in dem nicht ein „Coach“ in einer Zeitung oder einem Magazin etwas erklärt. Auch auf YouTube gibt es unzählige Videos selbsternannter „Coaching“ Päpste oder Nestoren. Schließlich: Nicht einmal das Fernsehen macht vor dem Begriff halt. „Coaching Format“ nennt es sich, wenn Peter Z. Schuldnern erklärt, wie sie wieder zu Geld kommen oder Christian R. versucht wirtschaftlich bedrohte Restaurants zu reanimieren.
Dieser Trend hat dazu geführt, dass der Begriff Coaching eine Bedeutungserweiterung erfahren hat. Eben weil Coaching „in“ ist, attraktiv, ja geradezu sexy. Alles und jeder will gecoacht sein. Über keine andere Methode wurde in den vergangenen Jahren mehr berichtet, diskutiert, gestritten als über Coaching. Coaching - eine Modeerscheinung? Mehr als das, ein Hype. Dabei verdient das Meiste, was unter diesem Begriff passiert die Bezeichnung nicht. Während ursprünglich die lösungsorientierte Beratung als Coaching bezeichnet wurde, ist heute fast jede Form von Beratung gleich Coaching; selbst wenn nur Anweisungen geboten werden, was oder wie etwas zu tun ist. Das ist nicht verwerflich. Es kann auch nützlich sein - gerade in den akuten Krisensituationen die Peter Z. oder Christian R. betreuen - hat aber nichts mit Coaching zu tun.
Coaching ist die professionelle, individuelle Beratung und Unterstützung von Menschen mit dem Ziel, die persönliche Situation zu verbessern und unter anspruchsvollen Bedingungen zu gestalten. Coaching soll befähigen, selbst zu erkennen, was erforderlich ist, was er oder sie tun kann und vor allem ermutigen es dann auch zu tun.
In diesem Sinne ist Coaching keine Modeerscheinung. Schon Sokrates hat sich in Überlieferungen dazu geäußert. Er nannte Coaching nur anders: Dialog. Sokrates hat versucht im direkten Gespräch das Wissen des Gesprächspartners an die Oberfläche zu holen. Er sah darin die Quelle zur Förderung des eigenverantwortlichen, selbstbestimmten Denkens des Einzelnen. Sein Weg, anderen beim Nachdenken über ein bestimmtes Thema zu helfen, war, ihnen Fragen zu stellen.
Diese Fragen setzen voraus, dass man dem Gesprächspartner sehr sorgfältig zuhört, damit man in einer nützlichen, konstruktiven und nicht auf Konfrontation ausgerichteten Weise fragen kann. Dieses Element fehlt momentan allerorten – stattdessen wird viel Energie für eigene Position und Auseinandersetzung verwandt. Oft nicht produktiv, denn in der heutigen Zeit ist eine wesentliche Herausforderung, die Verbindung und den Ausgleich zwischen verschiedenen Interessen herzustellen. Sind es bei „Einem“ das Thema Beruf und Familie, hat die „Andere“ vielleicht Konflikte zwischen ihren kurz- und langfristigen Zielen zu bewältigen. Hier nützt kein Durchsetzungsvermögen, aber zur Bewältigung braucht der Betroffene Dialog.
Gerade hat eine Umfrage (managerSeminare, Bonn 2010) ergeben, dass unter den Trainingsmethoden Coaching inzwischen das beliebteste Format ist. Das Ergebnis spricht eindeutig für den Nutzen der Methode. Wichtiger aber: Coachingteilnehmer schätzen besonders, dass sie aus innerer Überzeugung und mit Selbstbewusstsein ihren eigenen Weg zu gehen.